Was ist Geld? Eine fundamentale Betrachtung

Was ist Geld?

Die meisten von uns zahlen täglich mit Euro. Ohne darüber nachzudenken. Doch was ist Geld eigentlich? Welche Formen kann es haben? Worauf basiert unser Geldsystem? Die fundamentale Betrachtung des Phänomens »Geld« ist spannend.

Bildquelle: Pixabay

Eine Definition

Das Gabler-Banklexikon unterscheidet zwischen einer allgemeinen und einer ökonomischen Definition, was ich gelungen finde:

Allgemein ist Geld ein »vom Staat als gesetzliches Zahlungsmittel bestimmtes und vom Verkehr allgemein anerkanntes Tauschmittel«. Also gesetzlich verankert und von der Bevölkerung genutzt.

»Im ökonomischen Sinne ist Geld alles, was Geldfunktionen erfüllt.« Dies bringt uns zu den Funktionen des Geldes. Die ersten drei der folgenden Liste tauchen in fast allen Definitionen auf:

1. Tauschmittel/Zahlungsmittel 

Geld macht den Tausch von Waren und Dienstleistungen einfacher. Betreibt man direkten Tauschhandel, so muss man für das, was man erwerben bzw. verkaufen will, immer einen Tauschpartner finden. Das ist mühsam – in einer so spezialisierten Wirtschaft wie der unseren schier unmöglich. Der »Intermediär« namens Geld ermöglicht den indirekten Tauschhandel.

2. Wertaufbewahrungsmittel

Mit Geld kann man Werte aufbewahren. Also für die Zukunft sparen, und dann das Gesparte bei Bedarf wieder in Güter umtauschen. Voraussetzung hierfür ist, dass die Kaufkraft des Geldes über die Zeit erhalten bleibt – die Inflation darf nicht dauerhaft höher sein als die Zinsen.

3. Rechenmittel

Geld als Rechenmittel dient als Bezugsgröße für den Wert verschiedener Güter. Wenn alle Güter in Geldeinheiten bewertet werden, kann man sie vergleichen.

4. Wertübertragungsmittel

Manchmal wird Geld zudem als Wertübertragungsmittel bezeichnet. Wenn Geld verschenkt oder vererbt wird, wird sein Wert auf jemand anderen übertragen. Auch wenn Kredite vergeben werden, passiert dies, daher kann man das Kreditsystem in diese Kategorie miteinbeziehen.

5. Spekulationsmittel?

Der emeritierte VWL-Professor Bernd Senf spricht in seinem Aufsatz »Die Zukunft des Geldes« vom Begriff des Spekulationsmittels. Ein Problem in unserem Wirtschaftssystem laut Senf: »Die Funktion des Geldes als Spekulationsmittel tritt also in Gegensatz zu seiner Funktion als Tauschmittel und treibt insoweit Krisen hervor.«

Geld als Symbolsystem

Es gibt weitere Ansätze, Geld zu definieren: Die Philosophie-Professsorin Annika Schlitte antwortet in einem Interview auf tagesschau.de auf die Frage »Was ist Geld überhaupt, außer Tauschmittel« folgendermaßen:

NICHTS MEHR VERPASSEN
Melden Sie sich für den Newsletter an und erhalten Sie 10% auf nichts. Dafür informiere ich Sie über neue Beiträge auf die-volkswirtin.de.

Datenschutzerklärung


»Geld ist ein gesellschaftliches Symbolsystem. Es ist dazu geschaffen, die Wertbeziehung zwischen den Dingen zu bezeichnen – und schafft damit auch eine Beziehung zwischen den Personen, die es nutzen und damit werten. Man nutzt es, um den Wert von Dingen messbar zu machen.«

Geld als Sprache

Der »Bitcoin-Influencer« Andreas Antonopoulos definiert Geld als Sprache:

»Ich bevorzuge eine einfache Antwort: Geld ist eine Sprache, eine Abstraktion, die Menschen erfunden haben, um sich gegenseitig etwas von Wert zu übertragen. Gleichzeitig ist Geld auch die Technik, die wir zum Sprechen dieser Wertesprache benutzen, also Münzen, Scheine und digitale Buchungen. […] Fasst man Geld als Sprache auf, werden einige Dinge sehr viel klarer.«

Geld als Zeit

Zeit ist Geld. Diesen Spruch kennt man. Meist wird er gebraucht im Sinne von: Beeil dich, nutze deine Zeit, um möglichst viel Geld zu verdienen.

Es gibt jedoch auch Ideen für Geldsysteme, die als Grundidee für die Maßeinheit einer Währung die Zeit heranziehen.

So sieht das auch der Mondial-Erfinder Ralph Gries. In einem Interview auf die-volkwirtin.de erklärt er sein Währungskonzept namens »Mondial«:

»Die erste Grundüberlegung ist: Was hat, bzw. besitzt jeder Mensch auf der Welt, unabhängig von Herkunft und Lebenssituation? Seine Lebenszeit, seine Arbeitskraft! Und das soll auch die Basis sein für die neue, gerechte Währung! Übrigens ist die Arbeitsleistung genaugenommen in letzter Konsequenz die Basis für jede Währung! Jede staatliche Währung hat nur Wert, weil die Bewohner des Staates mit ihrer Arbeitsleistung die Wirtschaftskraft des Staates herstellen. Auch Gold hätte keinen Wert, würde es niemanden geben, der es mit seiner Arbeitsleistung aus der Erde geholt hat, und würde es niemanden geben, der mit seiner Arbeitsleistung irgendwas geschaffen oder erworben hat, was er gegen das Gold eintauschen könnte. Beim Mondial ist nun die Grundidee, dass eine Stunde Lebens- bzw. Arbeitszeit direkt als Verrechnungsgröße dient.«

Arten von Geld

Wie und mit was bezahlt wird, hat sich im Laufe der Jahrtausende gewandelt:

Eine Art von Geld ist das Naturalgeld oder Warengeld, z. B. Muscheln, Perlen, Tierfelle oder Salz.

Wird Warengeld wie Gold und Silber in einheitlich genormten Stücken verwendet, so kann man von Münzgeld sprechen (antike Formen des Münzgeldes werden auch Metallgeld genannt).

Unser Papiergeld zusammen mit den Münzen ist das Bargeld. Was kein Bargeld ist und wir auf dem Konto haben, wird Buchgeld oder Giralgeld genannt.

Als Geldersatzmittel bezeichnet man z. B. Kreditkarten oder Schecks.

Jüngst hinzugekommen sind die Kryptowährungen.

Vertrauen

Nun zu einem zentralen Punkt. Worauf basiert unser Geldsystem? Das bringt uns zu einem anderen Wert: Vertrauen.

Denn der Wert des Geldes, das keinen intrinsischen Wert hat (anders als Gold oder Naturalgeld), basiert allein auf Vertrauen. Dem Vertrauen derjenigen, die es benutzen. Dies ist ein wichtiger Punkt. Ein schöner Artikel zu genau diesem Thema aus der Neuen Zürcher Zeitung heißt »Zerfällt das Vertrauen in Geld, zerfällt auch die Gesellschaft«. Auch mit Blick auf die Vergangenheit. So wird auch der deutsche Soziologe Georg Simmel auf dem 20. Jahrhundert zitiert: »Geld ist die vielleicht konzentrierteste und zugespitzteste Form und Äusserung des Vertrauens in die gesellschaftlich-staatliche Ordnung.«

Fragen

Die meisten von uns zahlen täglich mit Euro. Ohne darüber nachzudenken. Die fundamentale Betrachtung des Phänomens »Geld« wirft bei mir einige Fragen auf:

  • Ist die Wertspeicherfunktion für große Währungen wie Euro und Dollar in einem Null- bzw. Negativzinsumfeld gegeben? Ist sie gegeben, wenn immer mehr Geld gedruckt wird?
  • Ist ein Vollgeldsystem zum Werterhalt von Geld nicht besser geeignet? Oder sollten wir unser Geldsystem nicht gleich dezentral ohne den Staat organisieren?
  • Sind unsere staatlichen Währungen nicht längst zum Spekulationsobjekt verkommen? In der Dokumentation »Ungleichland« (bald mehr hierzu) wird aufgezeigt, dass 2017 das Finanzvermögen fast viermal so hoch wie das Realvermögen war (ursprüngliche Datenquelle: »Wem gehört die Welt«). Man möchte nicht wissen, wie es 2021 aussieht. Kann das gutgehen? Handelt es sich um modernen Finanzfeudalismus, wie Bullshit-Job-Autor David Graeber es nennt?
  • Der Kerngedanke des Bitcoins ist ein dezentrales, ja demokratisches Währungssystem. Doch Elon Musk trieb den Kurs im Februar 2021 massiv in die Höhe, indem er auf Twitter verkündete, 1,5 Milliarden Dollar in Bitcoin investiert zu haben. Vier Monate später später bezeichnet er Bitcoin als Umweltsünde und man munkelt, er habe seine Bestände verkauft. Der Kurs bricht massiv ein. Warum ist das System Bitcoin nicht vor Spekulationsangriffen dieser Art sicher?
  • Können sich in Zukunft alternative Währungskonzepte durchsetzen? Ist ein Zeit-Geld-Tauschring auch im großen Stil praktikabel?
  • Darf man unserem aktuellen Geldsystem vertrauen? Ich habe bekanntlich meine Zweifel. Die Mehrheit scheint dies nicht zu haben.
  • Und: Wie wird das Geld der Zukunft aussehen?
Beitrag weiterempfehlen:

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.