Bitcoin versus Fiat-Geld: eine Glaubensfrage

Eine Szene aus dem YouTube-Video »Bitcoin Rap Battle Debate: Hamilton vs. Satoshi«, in dem über zwei konträre Geldsysteme diskutiert wird.

Bitcoin wird von vielen als reines Spekulationsobjekt abgetan. Das wird dem Konzept hinter der bekanntesten Kryptowährung jedoch nicht gerecht – egal ob man Bitcoin letztendlich kritisch gegenübersteht oder nicht. Bitcoin ist ein durchdachtes digitales Geld- und Bezahlsystem. Viele Anhänger nutzen dieses System, weil sie vom Konzept und der Philosophie dahinter überzeugt sind. Und weil sie unserem Finanz- und Wirtschaftssystem kritisch gegenüberstehen. Man kann von zwei Lagern sprechen: Einerseits den Anhängern der Krypto-Community, bzw. den Bitcoin-Fans. Andererseits den Befürwortern unseres aktuellen Finanzsystems, das auf nationalen Währungen wie dem Euro, Dollar, Franken oder Pfund basiert, von den Anhängern der Kryptowährungen oft als Fiat-Geld bezeichnet (lateinisch »Es werde«). In diesem Artikel werden beide (Glaubens-)systeme einander gegenübergestellt. Bitcoin versus Fiat-Geld – ist ein System besser als das andere?

Eine Szene aus dem genialen YouTube-Video »Bitcoin Rap Battle Debate: Hamilton vs. Satoshi«, in dem über Bitcoin versus Fiat-Geld diskutiert wird.
Eine Szene aus dem YouTube-Video »Bitcoin Rap Battle Debate: Hamilton vs. Satoshi«, einem Schlagabtausch über zwei konträre Geldsysteme.

»Bitcoin ist doch nur Spekulation!« oder »Bitcoin nutzen doch nur Verbrecher!« Diese Sätze hört man oft. Von Kritikern. Und von Menschen, die Kritiker zitieren.

Es mag stimmen, dass manch einer mit Bitcoin spekuliert. Der Bitcoin-Kurs ist volatil, was Spekulationen begünstigt. Es mag genauso stimmen, dass der ein oder andere Bitcoin für illegale Transaktionen nutzt.

Nur kann man das Argument genauso auf alle Währungen übertragen: Auch hier wird spekuliert – und das in einem noch viel größeren Ausmaß. Stichwort Cum-Ex-Steuerhinterziehung. Drogenhandel. Mafia. So weit zum Illegalen. Das Legale finde ich noch viel schlimmer: Dass im Zuge der letzten Finanzkrise Banken, die krumme Geschäfte gemacht hatten und Probleme bekamen, mit Steuergeldern gerettet wurden, sagt meiner Meinung nach sehr viel über unser Finanzsystem aus. Ganz zu schweigen von legalen Steuerausweichtricks internationaler Konzerne. Wer boykottiert aus diesem Grund das »Verbrechergeld Euro«?

Wenn man sich mit Kryptowährungen befasst hat, darf man zu dem Schluss kommen, dass Euro und Dollar und andere staatliche Währungen bessere Konzepte sind. Oder dass alle Systeme gleich gut oder schlecht sind. Es wäre jedoch unangemessen, Kryptowährungen als reine Spekulation oder Verbrechergeld abzutun. Ein genauerer Blick lohnt sich:

Zentrales versus dezentrales System

Wie viele andere Themen, so polarisiert auch das Thema Bitcoin. Man kann sagen, dass es zwei Lager gibt: Die Anhänger der Krypto-Community und die des aktuellen Systems. Es geht um zwei verschiedene Geldsysteme. Ein wichtiger Unterschied: Im einen System ist eine zentrale Instanz, die Zentralbank, damit beauftragt, für ein funktionierendes Geldsystem zu sorgen. Die Zentralbank steuert die Inflation, die Zinsen und die Geldmenge.

Im Bitcoin-Netzwerk hingegen gibt es keine zentrale Kontrollinstanz, es ist durch dezentrale Mechanismen organisiert.

Letztendlich führt dies zur generellen Frage, wie ein Geldsystem, ja eine Gesellschaft organisiert sein sollte. Es geht um Organisationsfragen. Machtfragen. Weltanschauungen.

Machtkonzentration

Hierzu haben ich kürzlich einen interessanten Podcast gehört: In der 34. Folge des Bitcoin-Podcasts Einundzwanzig diskutieren die beiden Moderatoren mit Christian Rieck. Rieck ist Professor für Wirtschaftstheorie und Finance an der Frankfurt University of Applied Sciences und betreibt einen beliebten YouTube-Kanal, in dem er viele aktuelle Themen aus spieltheoretischer Sicht beleuchtet. Ich empfehle, die Podcast-Folge zu hören, in der der Professor mit den Moderatoren kontrovers diskutiert.

In der Diskussion übernimmt Christian Rieck die kritischere Sicht auf Bitcoin. Für ihn ist ein Geldsystem mit zentraler Kontrolle per se keinesfalls schlecht. Genauso wenig unterstellt er den Zentralbankpolitikern, dass sie böse Absichten hätten. Gleichzeitig hört man in seinen Worten ein Missfallen darüber, wie sich die Dinge in den letzten Jahren entwickelt haben.

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Riecks Kritik am vermeintlich dezentralen Bitcoin-System ist berechtigt: So erwähnt er, dass man in den Anfangsjahren des Internets immer gesagt habe, das es frei und offen für alle sei. Was ist jedoch zwischenzeitlich passiert? Die Macht konzentriert sich auf einige wenige Player von nie dagewesener Größe (Amazon, Google, Facebook, Apple etc.).

Das gleiche kann man beim Bitcoin feststellen: Nachdem Tesla-Chef Elon Musk im Februar 2021 auf Twitter verkündete, Tesla habe Milliarden US-Dollars in Bitcoin investiert, schoss der Kurs der Krypto-Währung an einem Tag um mehr als 15% in die Höhe, wie unter anderem der Spiegel berichtete. Ein einzelner, mächtiger Investor beeinflusst den Kurs massiv. Und das passiert in einem dezentralen Netzwerk, in dem sich die Teilnehmer selbst organisieren und kontrollieren. In einem Geldsystem, das für alle da sein sollte. Ein System, von dem es heißt, dass Milliarden Menschen daran teilnehmen könnten, die bisher keine Möglichkeit hatten, ein Konto zu eröffnen und elektronisch zu bezahlen. Ein System, das sich damit rühmt, dass es eben nicht von Zentralbankern, Bankern und Politikern kontrolliert wird, die nur im Eigeninteresse handeln.

Musks dominante Aktion lässt daran zweifeln.

Bitcoin versus Fiat-Geld

Bei der Diskussion über die Geldsysteme fällt häufig der Begriff des Fiat-Geldes. Was ist das?

Als Fiat-Geld werden staatliche, von einer Zentralbank herausgegebenen Währungen bezeichnet. Der Begriff fiat ist Lateinisch und bedeutet so viel wie »es sei«, »es geschehe« oder »es werde« (Fiat lux = Es werde Licht). Eine ironische Anspielung darauf, dass das Geld praktisch aus dem Nichts geschöpft wird (Im Artikel »Wie entsteht Geld?« habe ich diesen Vorgang erklärt).

Fiat-Geld hat – anders als beispielsweise Gold – keinen intrinsischen Wert und ist auch nicht an den Preis eines Rohstoffes gebunden. Das Funktionieren des Systems basiert allein auf dem Vertrauen der Öffentlichkeit auf den Staat bzw. in die Zentralbank, welche die Währung herausgibt. Fast alle gängigen Währungen wie der Euro, der US-Dollar oder Schweizer Franken sind Fiat-Geld.

Historisch gesehen bilden Naturalgeld oder Tauchmittel wie Reis, Tabak oder Tierfelle und Warengeld wie Gold oder Silber das Gegenstück zu Fiat-Geld.

Heutzutage wird der Begriff des Fiat-Geldes benutzt, um Kryptowährungen wie den Bitcoin von den nationalen Währungen wie Euro, Dollar etc. abzugrenzen.

Die »Bitcoin Rap Battle Debate« auf YouTube

Auf Youtube gibt es einen Rap »Bitcoin Rap Battle Debate: Hamilton vs. Satoshi« (nur auf Englisch verfügbar).

Hamilton war einer der Gründerväter der USA und der erste Finanzminister, der auch die erste Zentralbank ins Leben rief. In letzter Zeit wurde er durch das gleichnamige Broadway-Musical bekannt, das 2022 auch in Deutschland anlaufen soll. Satoshi Nakamoto hat die Kryptowährung Bitcoin erfunden (wer genau hinter diesem Namen steckt, ist bis heute unbekannt).

Die beiden Männer stehen für zwei Systeme: Hamilton als der Befürworter des zentralen Systems, in dem es eine Zentralbank gibt, die Geld herausgibt und kontrolliert. Nakamoto steht für das dezentrale Geldsystem, auf dem auch Bitcoin aufgebaut ist.

Der 6-minütige Rap-Battle ist ein Meisterstück. Die Kontrahenten greifen sämtliche Argumente auf, die in keiner Diskussion fehlen. Sie fassen die System- und Glaubensfrage Bitcoin in einem 6-minütigem Schlagabtausch zusammen:

Bitcoin versus Fiat-Geld: Die Meinug der Volkswirtin

Bekanntlich stehe ich unserem aktuellen Finanzsystem kritisch gegenüber. Da Kryprowährungen und der Bitcoin eine Alternative zu unserem derzeitigen System darstellen, bin ich grundsätzlich an der Thematik interessiert.

Bitcoin hält sich seit über zehn Jahren am Markt und immer mehr Menschen nutzen die Kryptowährung – auch um zu zahlen und als Wertanlage und nicht zu Spekulationszwecken. Bisher gab es keinen Hackerangriff oder eine andere Schwäche, welche das System lahmgelegt hätten. Ob das so bleiben wird? Man weiß es nicht. Selbstverständlich gibt es diese Risiken. Auch das oben angesprochene Phänomen, dass einzelne Akteure den Kurs massiv beeinflussen, stört mich derzeit. Es bleibt die Hoffnung, dass immer mehr Menschen Bitcoin nutzen und sich der Bitcoin-Kurs mit der Zeit konsolidiert.

Bitcoin ist nicht ohne Risiko. Aber das sind Fiat-Währungen auch nicht. Mein Vertrauen in letztere sinkt. Bei Bitcoin wird sich zeigen, in welche Richtung es geht. Aktuell kann ich sagen: Ich werde genau verfolgen, was sich tut. Und je mehr ich mich mit dem Thema Kryptowährungen beschäftigte, desto interessanter finde ich das alles.

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