Ohne Superlative geht es nicht: »Die größte Chance aller Zeiten« von Marc Friedrich

Die größte Chance aller Zeiten von Marc Friedrich

Im April 2021 ist Marc Friedrichs sechstes Sachbuch im Finanzbuchverlag erschienen. Wie gewohnt mit Superlativ im Titel: »Die größte Chance aller Zeiten.« Ein Buch, auf das die Volkswirtin äußerst gespannt war. Friedrich erklärt, warum unsere Systeme seiner Meinung nach am Ende sind und dass darin auch Chancen liegen. Zudem gibt er konkrete Anlagetipps. Alles kommt in gewohnter Friedrich-Manier daher: bildlich, polarisierend und superlativ.

»Die größte Chance aller Zeiten« von Marc Friedrich

Als ich das 2015 noch im Bastei Lübbe Verlag erschienene Buch »Der Crash ist die Lösung« von Marc Friedrich und Matthias Weik las, dachte ich: »Endlich eine Stimme, die meine Meinung bestätigt: Unser Finanzsystem ist nicht nachhaltig. Das hat die Finanzkrise 2007/2008 gezeigt. Seitdem wurde nichts getan. Also wird es wieder krachen.« 2019 erschien beim Eichborn-Imprint des Lübbe Verlags ein weiteres Buch: »Der größte Crash aller Zeiten.« Im Ton polemischer griffen die Autoren aktuellere Themen auf, in Kern jedoch wenig Neues. Das Buch von 2015 war besser. Umso gespannter wartete ich darauf, das neueste Buch zu lesen und zu beurteilen.

Meine persönliche Sammlung der Bücher von Marc Friedrich
Meine persönliche Sammlung an Friedrich-Büchern

Der ehemalige Co-Autor Matthias Weik und und Marc Friedrich sind getrennte Wege gegangen. Marc Friedrich positoniert sich neu: Neben der Vermögensberatung Friedrich & Partner ist das Gesicht hinter der Marke auf seinem YouTube-Kanal und Instagram zunehmend professioneller und präsenter. Dort ließ Friedrich in den letzten Wochen keine Gelegenheit aus, auf Die größte Chance, aka sein neues Buch hinzuweisen. »Ja, ich werde es lesen, sobald es draußen ist«, dachte ich mindestens zwanzig Mal.

Mitte April 2021 ist Friedrichs fünftes Sachbuch nun im Finanzbuchverlag erschienen. Natürlich ein weiterer Superlativ: »Die größte Chance aller Zeiten«. Frei nach dem Motto: Jede Krise ist auch eine Chance. Oder im folgenden Modesatz ausgedrückt: Im Chinesischen gäbe es ein Wort, das beides bedeute. Oder Old Style in den Worten des Ökonomen Joseph Schumpeter ausgedrückt: »Jede ökonomische Entwicklung baut auf dem Prozess der schöpferischen Zerstörung auf« (übrigens meine nächste Lektüre).

Der größte Crash und die größte Chance

Inhaltlich stimme ich mit Marc Friedrich überein. Nach wie vor. Ich bin ebenfalls der Meinung, dass unser Wirtschafts- und Finanzsystem nicht nachhaltig ist – und darauf basiert viel. Ich fürchte, dass unsere Systeme früher oder später kollabieren könnten. Das wird unschön sein, aber eine Chance, nach neuen Lösungen zu suchen.

Marc Friedrich hat seine eigene Rhetorik für diese Botschaft entwickelt, die er in seinen Videos wie Büchern unermüdlich wiederholt. Einige Kostproben aus dem neuesten Buch:

»Jetzt befinden wir uns in einer historisch einmaligen Situation: Wir sehen alle drei Assetkategorien (Anmerkung SB: Aktien, Immobilien, Anleihen) in einer finalen Blase, und dazu kommt jetzt noch die Rohstoffblase. Wir sollten uns auf etwas Epochales einstellen: auf den größten Crash aller Zeiten.«

»Wir stehen vor dem größten Vermögenstransfer der Geschichte.« Und »es gibt im bestehenden System keine Lösung.«

Mich schockieren diese Aussagen nicht. Aber ich verstehe, dass diese Aussagen beim ein oder anderen nicht so gut ankommen. Sei es wegen der Prognose oder wegen der Sprache.

Marc Friedrich als Literat?

Besonders aufgefallen ist mir die bildliche Sprache im jüngst erschienenen Buch. Versucht sich Marc Friedrich nun auch als Literat?

Zunächst vergleicht er die Wirtschaftszyklen mit den Jahreszeiten.

Die Probleme in unserem System werden zum »Krebsgeschwür«, gegen welches wenig getan wird: »Das ist in etwa so, als würde man ein Krebsgeschwür im Körper an eine andere Stelle transplantieren, es überdecken oder nur teilweise entfernen. So etwas ist wenig hilfreich.«

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Was den Zeitpunkt angeht, zu dem alles zusammenbricht, dient das Bild eines »feuchten Kellers«: »Wenn Sie eine Kernsanierung zu lange vor sich herschieben, wird es umso teurer. Wenn Sie keine Instandhaltungsrücklage gebildet haben, besteht die Gefahr, dass Sie einen ruinös teuren Kredit aufnehmen müssen.« In unserem System habe sich viel Feuchtigkeit im Keller gestaut.

Wir gelangen in metaphysische Sphären: Die Notenbankmaßnahmen werden mit einem sterbenden Stern verglichen: »Ich erwarte, dass sich hier das ganze System nochmals ein letztes Mal aufbäumt, sich nach oben jazzt durch historische Notenbankmaßnahmen. Wie ein sterbender Stern der am hellsten ist bevor er implodiert. Diese Eskalation wird zu deutlich höheren Inflationsraten im zweistelligen Bereich führen.«

Ein biblisches Motiv wird herangenommen, um zu zeigen, warum alles ganz anders werden muss: »Keiner würde ein Haus auf einem maroden Fundament (vielleicht noch im Erdbebengebiet) abreißen um dann auf den altem unsicheren Fundament ein neues Gebäude zu erreichten. Der Einsturz wäre vorprogrammiert. So ist es auch jetzt. Wir brauchen einen radikalen Wandel und müssen komplett neue Wege beschreiten.«

Friedrich gibt zu, er mache einen »populistischen Einwurf«, wenn er die Aussage von EZB-Chefin Christine Lagarde »Wir sollten glücklicher sein, Arbeit zu haben, anstatt unsere Ersparnisse abgesichert zu wissen.« mit der Feststellung kommentiert: »Pikanterweise äußerte sie diesen Satz in einem sündhaft teuren Dior-Kleid und war dabei mit mit Perlenkette und -ohrringen behangen wie ein Weihnachtsbaum«. Ich musste schmunzeln.

Ebenso über die Vermenschlichung des Bitcoins, genauer gesagt die Schwangerschaft des mysteriösen Bitcoin-Erfinders Satoshi Nakamoto mit seinem Bitcoin-Baby – auf welche eine Schilderung der Geburt und Kindheit der Kryptowährung folgt.

Fundierte Inhalte

Wer sich an der teils anschaulich-bildlichen, teils radikal-polemischen Sprache von Marc Friedrich stört: nicht blenden lassen. Diese kontrastiert mit den fundiert recherchierten Inhalten: In den einzelnen Kapiteln befinden sich zahlreiche Schaubilder und Tabellen, die aus seriösen Quellen stammen und aussagekräftig sind. Zudem gibt es erklärende Infoboxen.

Das Buch liest sich flüssig – das wird umso klarer, wenn man das Buchkapitel über die wirtschaftlichen Superzyklen liest. Dieses hat Enrik Lauer, einer der beiden Gastautoren verfasst. Die Passage klingt viel mehr nach einem wirtschaftlichen Sachbuch.

»Die größte Chance aller Zeiten« lässt sich grob in zwei Abschnitte unterteilen. Im ersten Teil erklärt Marc Friedrich, warum es seiner Meinung nach nicht so weitergehen wird und dass wir umdenken müssen. Dabei werden – im Gegensatz zu seinen bisherigen Büchern – eingehend verschiedene Theorien von Ökonomen zu wirtschaftlichen Zyklen und Superzyklen über mehrere Jahrhunderte hinweg beleuchtet.

Das Ende unseres bisherigen Wirtschaftssystems sei gleichzeitig die Chance, Dinge zum Positiven zu verändern, so der Autor. Auch für die Politik liefert Friedrich sinnvolle Vorschläge wie Bürokratieabbau, eine Begrenzung der Amtszeiten, Haftung für Fehlentscheidungen bei Politikern und eine Vereinfachung des Steuersystems.

Anlagetipps

Der zweite Teil des Buches ist viel mehr eine Anlageberatung: Es gibt Investment-Tipps, wie man sein Vermögen schützen könne. »Was mache ich mit meinem Geld?«, lautet die erste Kapitelüberschrift. Die Antwort Friedrichs: Investieren in Sachwerte, Sachwerte, Sachwerte. Dabei legt Marc Friedrich in seinem aktuellsten Buch neue Schwerpunkte. Einer davon ist Bitcoin, bezeichnet als »die größte Revolution aller Zeiten« und »die größte Chance Ihres Lebens«. Des Weiteren ruft der Autor einen neuen »Rohstoff-Superzyklus« aus. Daher solle man in Rohstoffe investieren. Hierbei werden Anlagestrategien aufgezeigt und es gibt eine Menge konkreter Anlagetipps. Man kann dem Autor keinesfalls vorwerfen, mit seinem Buch wolle er für seine Vermögensberatung werben, nach dem Motto: »Werden Sie mein Kunde, dann erfahren Sie wie …« Ganz und gar nicht. Wer sich überlegt, in Sachwerte zu investieren, der wird mit dieser Lektüre viel anfangen können.

Bisweilen wird der Autor zu persönlich und das Buch nimmt Züge eines Persönlichkeitsratgebers an. Beispielsweise bleibe laut Friedrich eine Investition in die eigene Gesundheit am wichtigsten!

Marc Friedrich wäre nicht Marc Friedrich, wenn er nicht provozieren würde. So rät er im letzten Kapitel zum Kauf von Uran-Aktien. Lesen Sie es selbst und bilden Sie sich Ihre Meinung.

Fazit: »Die größte Chance aller Zeiten«

Marc Friedrich polarisiert. Der ein oder andere mag Friedrich kritisieren, er wolle mit seinen Büchern vor allem Geld verdienen, und nicht die Menschheit aufklären. Ich jedenfalls bin Marc Friedrich dankbar für das, was er sagt. Derzeit kritisiere ich ständig, dass die Medien relativ einseitig und kurzsichtig berichten. Ich wundere mich, dass es in der Wissenschaft Experten für jedes kleinste Detail gibt, Modellrechnungen und Theorien, jedoch scheint der Blick aufs große Ganze verloren zu gehen. Daher bin ich Marc Friedrich dankbar, wenn er schreibt:

»In unserer hochkomplexen globalisierten Welt müssten wir mehr denn je Wirtschaft, Politik und Gesellschaft ganzheitlich denken, alles zusammen denken, denn alles spielt ineinander.«

Genauso für diesem Satz:

»Dies ist generell ein Problem unserer Zeit, an dem unsere Gesellschaft krankt. Die Spaltung nimmt zu, man ist entweder für eine Sache oder dagegen, Schwarz der Weiß, es gibt nichts dazwischen. […] Sobald jemand eine andere, vielleicht kontroverse Meinung vertritt, wird der oder die Betreffende diffamiert und stigmatisiert.«

Diesen Eindruck habe ich auch. Ebenso merke ich, wie unpopulär es ist, unsere Systeme anzuzweifeln.

Für mich ist »Die größte Chance aller Zeiten« ein Buch der Superlative. Im positiven Sinne.


Friedrich, Marc: Die größte Chance aller Zeiten. Finanzbuchverlag. Hardcover. 2021. ISBN 9783959724579. 22,00 €.

Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar vom Verlag zur Verfügung gestellt.

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4 Gedanken zu „Ohne Superlative geht es nicht: »Die größte Chance aller Zeiten« von Marc Friedrich“

  1. Den ein oder anderen Youtube-Auftritt von Marc Friedrich habe ich mir schon angeschaut. Er ist nicht meine Type, trotzdem stimme ich en gros in vielen Punkten mit ihm überein. Danke für deine Rezension. Gerade deine zwei zuletzt herausgegriffenen Zitate unterstreiche ich gerne ebenfalls nochmal: sehe ich ganz genau so!
    liebe Grüße 😉

    1. Hallo Micha,
      ich finde Marc Friedrich gut und lese und höre so ziemlich alles von ihm, auf YouTube hatte er in der letzten Zeit sehr interessante Gesprächspartner. Einige sachlich, kritische Stimmen.
      Die Politik scheint es hierzulande leider gar nicht zu interessieren, wer sich kritisch äußert …
      Gruss,
      Sarah

      1. Schade, dass du versuchst, einen sachlichen Abstand einzuhalten anstatt deine Begeisterung für Marc Friedrich einfach offen zu legen – das würde deine Rezension (für mich) spannender machen 🙂

        1. die letzten Videos von ihm, inhaltlich, wirklich tippitoppi – mich nicht falsch verstehen, Sarah, da finden wir zwei auf jeden Fall zusammen 😉 Aber ob ich dem Marc Friedrich meinen Goldhamster zur Pflege anvertrauen würde… eher nich (das ist mein Einwand :))
          Schönen SO-Abend

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