Die Modern Monetary Theory – zu schön, um wahr zu sein?

Die MMT - Modern Monetary Theory

Mach Schulden, so viel du willst! Es spielt keine Rolle! Welcher Politiker hört das nicht gern? Kein Wunder, dass die Modern Monetary Theory (MMT) gerade so populär ist (es gibt sogar Konferenzen zu dieser Theorie).

Was besagt die MMT? Was ist an ihr dran? Dieser Artikel gibt einen Überblick über die die MMT. Wie Befürworter argumentieren und woran Kritiker zweifeln.

Zuletzt die Frage: Kann das gutgehen? Die MMT klingt irgendwie zu schön, um wahr zu sein.

MMT - Die Modern Monetary Theory

Definition und Kernthese der Modern Monetary Theory

Die »Modern Monetary Theory« (MMT), auf Deutsch »Moderne Geldtheorie«, ist eine makroökonomische Denkrichtung. Sie wird dem Post-Keynesianismus zugeordnet.

Mit der Aussage »deficits don’t matter« – Schulden sind egal -, kann man die MMT in einem Satz zusammenfassen.

Die Rolle von Schulden

Die MMT besagt, dass sich ein Staat in seiner eigenen Währung unbegrenzt verschulden kann. Anders als eine Privatperson oder ein Unternehmen kann ein Staat mit seiner eigenen Währung, laut der MMT-Theoretiker, nicht bankrott gehen und sei daher auch nicht mit diesen zu vergleichen. Denn er kann so viel Geld in der eigenen Währung drucken, wie nötig ist, um seine Kredite bzw. Schulden zu bedienen.

Der Staat muss sich also keine Schuldenziele setzen (wie das innerhalb der EU festgelegt ist – jedoch in der Praxis von kaum einem Staat eingehalten wird).

Die Staatsverschuldung ist somit kein Zweck, sondern vielmehr ein Mittel, um andere politische Ziele zu verfolgen. Dies kann beispielsweise Vollbeschäftigung sein oder der Klimaschutz, wie aktuell bei der Europäischen Zentralbank zu sehen ist.

Die Rolle von Inflation und Steuern

Einfach mehr Schulden machen durch Gelddrucken? Führt das nicht zur Inflation?

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Milton Friedman entwickelte die Quantitätstheorie. Laut dieser Theorie schlägt sich eine Ausweitung der Geldmenge in einer höheren Inflationsrate nieder.

NICHTS MEHR VERPASSEN
Melden Sie sich für den Newsletter an und erhalten Sie 10% auf nichts. Dafür informiere ich Sie über neue Beiträge auf die-volkswirtin.de.

Datenschutzerklärung


Die MMT-Anhänger sehen dies anders und haben wenig Inflationssorgen. Ihr Argument ist, dass solange die Ressourcen einer Wirtschaft nicht vollständig ausgeschöpft sind, anstatt der Preise also die Mengen reagieren, sei erst einmal keine Inflation zu befürchten. Und wenn die Ressourcen ausgeschöpft sind und Vollbeschäftigung herrscht, kann der Staat die Steuern erhöhen, um die Geldmenge und folglich die Inflationsgefahren zu reduzieren, wie beispielsweise der Artikel »Wie revolutionär ist die Modern Monetary Theory?« von Prof. Hanno Beck und Prof. Aloys Prinz auf wirtschaftsdienst.eu zusammenfasst.

Kritik an der Modern Monetary Theory

»Mach ruhig Schulden, das ist kein Problem.« Diese Aussage würde jeder Politiker gerne hören. Das klingt irgendwie zu schön, um wahr zu sein.

So sehen es auch die Kritiker. Warnungen vor einer (unkontrollierten) Inflation sind immer wieder zu hören, beispielsweise vom Ökonomieprofessor und ehemaligen Chefvolkswirt der Bundesbank Otmar Issing in einem Interview mit der Wirtschaftswoche.

Im Podcast »Wirtschaftliche Freiheit« erklärt Prof. Dr. Michael Heise in der Folge »Die Rückkehr der Inflation« die MMT und warnt ebenfalls: »Wo sind die langfristigen Konsequenzen dieser ausgabefreudigen Finanzpolitik?«

Nun ist die Inflation seit dem vergangenen Jahr Thema, da die offiziellen Raten seit einigen Monaten über der von der EZB angestrebten 2%-Marke liegen. Wie erläutert, sehen MMT-Anhänger in Steuererhöhungen ein Mittel, um einer Inflation gegenzusteuern. Sind Steuererhöhungen in irgendeiner krisengebeutelten Industrienation momentan denkbar? Wohl eher nicht. Der deutsche Finanzminister Christian Lindner verspricht hingegen Steuererleichterungen, wie das Handelsblatt im Februar 2022 berichtete.

Prof. Hanno Beck und Prof. Aloys Prinz verweisen zusätzlich auf eine »fehlende mikroökonomische Basis« der MMT: »Wer über ein staatliches Beschäftigungsprogramm nachdenkt, muss sich auch mit mikroökonomischen Fragen auseinandersetzen.« Die beiden Wissenschaftler merken an, dass über die Staatsquote sowie »Vorschläge der Modern Monetary Theory wie Kreditkontrollen, Sozialisierung von Investitionen, Lohn- und Zinsmanagement durch den Staat« diskutiert werden müsse.

Die deutsche Staatsquote (Verhältnis der staatlichen Ausgaben zum Bruttoinlandsprodukt) ist im Zuge der Corona-Krise auf über 50% gestiegen. Im Jahr 2021 betrug sie laut dem Statistikportal Statista 51,6%. Staatliche Ausgaben und Investitionen sind also für den Großteil der Wirtschaftsleistung verantwortlich, nicht mehr die Privatwirtschaft. Man kann wie das Handelsblatt fragen: »Ist das noch Marktwirtschaft – oder doch schon Staatswirtschaft?«. Und wollen wir einen noch stärkeren Staat, wo dieser nicht gerade für Effizienz bei seinen Vorhaben bekannt ist?

Inwiefern ist die Modern Monetary Theory bereits Praxis?

Die Schulden in Deutschland, Europa und weltweit steigen weiter an. Die Zentralbanken großer Industrienationen agieren schon lange nicht mehr unabhängig.

Eine Krise nach der anderen rechtfertigte in den vergangenen Jahren das Schuldenmachen (ergo das Gelddrucken durch die Zentralbanken). Zuletzt die Corona-Krise. Was folgt danach? Die Klima-Krise?

Sowohl die Europäische Zentralbank EZB als auch die amerikanische FED wollen sich im Klimaschutz engagieren. Die EZB scheint Gelddrucken als Engagement für den Klimaschutz zu verstehen, anstatt sich um ihre Kernaufgabe der Preisstabilität zu kümmern.

Und jetzt kommt die These der MMT: Das alles sei kein Problem. Schulden seien nicht nur nötig, um all die Krisen zu lösen, sie seien auch unproblematisch.

Natürlich hört man das als Politiker gern und übernimmt die Aussage. Man verschließt die Augen vor der Gefahr, dass das System erneut ins Wanken geraten könnte, wie es bei der Finanzkrise 2007/2008 der Fall war.

Das ist die MMT in der Praxis.

Kann das gutgehen?

Ich befürchte, dass sich die Moderne Geldtheorie, die zu schön klingt, um wahr zu sein, in der Praxis früher oder später als Trugschluss herausstellen wird. Meine Warnungen vor einer Überschuldung und unkontrollierten Inflation sind nicht neu. Daran ändert auch eine MMT nichts, unabhängig davon, wie fundiert die Theorie von den Anhängern aus der Wissenschaft dargestellt wird.

Dass sie sie bei regierenden Politikern populär ist, verwundert keineswegs.

Für mich ist die MMT viel mehr eine Rechtfertigung der aktuellen Politik. So lange es eben noch gutgeht.

Beitrag weiterempfehlen:

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.