Die Bilanzsumme des Eurosystems 2021

Die Europäische Zentralbank (EZB) veröffentlicht wie ein Unternehmen zu Beginn eines neuen Jahres die Bilanz des Vorjahres. So findet sich auf der Website der EZB seit Februar 2022 die konsolidierte Bilanz des Eurosystems zum 31. Dezember 2021. Die Bilanzsumme steigt immer weiter. Was hat das zu bedeuten?

Die Bilanzsumme des Eurosystems 2021
Datenquelle: EZB

Die Bilanzsumme des Eurosystems

Im vergangenen Jahr gab es bereits einen Artikel zur Bilanzsumme des Eurosystems 2020. Dieser Artikel ist ein Update für 2021 – mit einer eindeutigen Entwicklung.

Die Entwicklung der Bilanzsumme

Die Bilanzsumme des Eurosystems zeigt die Entwicklung der Geldmenge aller Staaten des Euroraums.

In einem Satz zeigt ein Blick auf die Grafik: Die Bilanzsumme des Eurosystems wird immer größer.

Sie ist in den letzten 20 Jahren sehr stark angestiegen (von unter 1 Billion Euro auf über 8 Billionen Euro). Ein steiles Wachstum der Kurve ist insbesondere in den vergangenen beiden (Pandemie-)Jahren zu beobachten.

Im Jahre 2020 stieg die Bilanzsumme um knapp 50% im Vergleich zum Vorjahr. Im Jahre 2021 erfolgte erneut ein Anstieg um weitere 23% von 6,98 Billionen Euro auf 8,57 Billionen Euro.

Datenquelle: EZB

Was diese Entwicklung bedeutet

Auf der Aktivseite (linken Seite) einer Bilanz befinden sich generell die Forderungen – in unserem Fall der EZB gegenüber Dritten. Und auf der Passivseite (rechte Seite) befinden sich die Forderungen, die Dritte gegenüber der EZB haben.

Auf spiegel.de findet sich eine sehr prägnante und einfache Erklärung der Zentralbankbilanz von Wolfgang Münchau.

Bei einer Zentralbank sind die wichtigsten Aktivposten die Anleihen, die die Zentralbank gekauft hat, hinterlegte Sicherheiten für Kredite sowie ausländische Währungsreserven und Goldreserven.

Widmen wir uns den Anleihen. Es ist kein Geheimnis, dass die EZB Anleihen von Europäischen Staaten kauft. Indem sie Staatsanleihen kauft, finanziert sie die Staaten. Und das haben die immer stärker verschuldeten Staaten bitter nötig, da einige wahrscheinlich ansonsten bereits zahlungsunfähig wären.

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Die steigende Bilanzsumme des Eurosystems reflektiert also unter anderem die EZB-Politik, Staaten direkt durch Anleihekäufe zu finanzieren.

Die Folge: Inflation?

Die Ausweitung der Bilanzsumme des Euroraumes bedeutet eine Ausweitung der Geldmenge. Das ist insofern problematisch, dass eine vergrößerte Geldmenge, also mehr Geld im Umlauf, für Inflation sorgen kann. 2020 war die Inflation in den wenigsten Medien Thema. Jedoch hat sich dies nun geändert, mit einer offiziellen Inflationsrate von mehr als 5% im Februar 2022.

Eigentlich sollte die EZB in erster Linie für Geldwertstabilität sorgen, sprich eine stabile Inflationsrate von 2%. Dies erfüllt sie im Moment nicht, anstatt dessen greift sie überschuldeten Staaten unter die Arme, was eigentlich nicht ihrem Mandat entspricht.

Warum die EZB mit der aktuellen Politik fortfährt und nicht umgehend die Anleihekäufe stoppt bzw. die Zinsen erhöht, fasst der Artikel »Das Dilemma der Zentralbanken« zusammen.

Fazit: Unser Finanz- und Wirtschaftssystem ist nach wie vor alles andere als stabil, bedingt durch immer mehr Schulden und höhere Inflationsraten. Dies kann man auch aus der Bilanz der Europäischen Zentralbank herauslesen (ein Blick auf die Bilanzen anderer Zentralbanken zeigt das gleiche Muster).

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