Was ist die »Österreichische Schule«?

Wien ... wo die Österreichische Schule, auch Wiener Schule genannt, ihren Ursprung hat

Warum fiel während meines Studiums nie der Begriff Österreichische Schule? Hatte man mir diese Schule der Ökonomie unterschlagen? Warum?

Besser spät als nie! In den vergangenen Monaten stieß ich gehäuft auf den Begriff. Unter den Bitcoinern sind die »Österreicher« äußerst populär. Aber auch unter kritischeren Stimmen zur aktuellen Wirtschaftspolitik bildet die Österreichische Schule einen interessanten Gegenpol.

Zeit, sich einmal genauer damit zu befassen, was die Österreichische Schule ist!

Wien ... wo die Österreichische Schule, auch Wiener Schule genannt, ihren Ursprung hat
Wien … wo die Österreichische Schule, auch Wiener Schule genannt, ihren Ursprung hat

Die Österreichische Schule

Die Österreichische Schule der Nationalökonomie ist eine volkswirtschaftliche Denkrichtung. Sie hat ihre Ursprünge im 19. Jahrhundert. Der Name rührt daher, dass die ersten Anhänger aus Österreich kamen.

Die Anhänger der Österreichischen Schule sehen Wirtschaft als Sozialwissenschaft. Der Mensch als Individuum steht im Mittelpunkt. Man will herausfinden, warum Menschen handeln, wie sie handeln.

Dafür bedarf es laut den Österreichern keine komplexem mathematischen Modelle, denn diese können die Realität nur begrenzt abbilden.

Bekannte Vertreter

Carl Menger gilt mit seinem Werk »Grundsätze der Volkswirtschaftslehre« aus dem Jahre 1871 als Begründer der Österreichischen Schule.

Ein wichtiger Vertreter des 20. Jahrhunderts und bekannter Name ist Ludwig von Mises.

Der wohl bekannteste Vertreter der Österreichischen Schule ist Friedrich Hayek, der 1974 den Wirtschaftsnobelpreis erhielt. Er entwickelte unter anderem die Konjunkturtheorie von Mises weiter.

Heutzutage ist Rahim Taghizadegan ein in den Medien präsenter Vertreter. Auf der Website des scholarium, einer von ihm geleiteten Bildungseinrichtung, wird er »als Ökonom und Wirtschaftsphilosoph der letzte Wiener Vertreter der Wiener Schule der Ökonomik in direkter Tradition« bezeichnet.

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Eine liberale Schule

Die Österreichische Schule ist eine äußerst liberale Strömung der Volkswirtschaftslehre.

Die freie Marktwirtschaft wird als das beste Wirtschafts- und Gesellschaftssystem angehsehen und die Freiheit des Individuums hochgehalten. Der Staat solle die Freiheit des Individuums so wenig wie möglich einschränken.

Mises warnte in seinem Werk »Kritik des Interventionismus« vor dem Eingreifen des Staates. Dies würde keine Probleme lösen, sondern neue schaffen.

Auch Hayek ist ein Verfechter des freien Marktes. Seine Gedanken zum Thema Freiheit gehen ins Philosophische, wie die umfangreiche Zitatsammlung der Friedrich A. von Hayek Gesellschaft zeigt.

Wien

Wirtschaftszyklen & Geldpolitik

Die Konjunkturtheorie der Österreichischen Schule wurde von Mises entwickelt und von Friedrich August von Hayek weiterentwickelt.

In »Geldtheorie und Konjunkturtheorie« erklärt Hayek Wirtschaftszyklen, also Zeiten von Wirtschaftswachstum und Krise.

Laut Hayek sind Zentralbanken mit ihrer Geld- und Zinspolitik für die schwankenden Wirtschaftszyklen verantwortlich. Niedrige Zinsen würden künstliche Wirtschaftsbooms erzeugen, da Kredite und folglich Investitionen besonders günstig würden. Im Falle dass die Zentralbank durch Zinserhöhungen gegensteuert, um eine Inflation zu bekämpfen, würde das eine Krise auslösen.

Dies ist im aktuellen Umfeld mit 0% bzw. Negativzinsen und hoher Verschuldung ein brisantes Thema. Von den Österreichern hört man in der Regel kritische und warnende Töne, wie zum Beispiel in diesem Interview auf der Seite des Austrian Institute mit Thorsten Polleit.

Inflation

Die Definition der Inflation ist in der Österreichischen Schule die einer Ausweitung der Geld- und Kreditmenge. Wird die Geldmenge erhöht, dann hat das Auswirkungen, Geld per se ist laut den Österreichern also nicht neutral.

Rahim Taghizadegan bezeichent die offiziell gemessene Inflationsrate als ein willkürliches Maß (auch die Volkswirtin traut dieser Zahl nicht).

Die angestrebte Inflationsrate der führenden Zentralbanken (EZB, FED) von 2% wird von den Österreichern als schädlich angesehen. Oft wird dies mit dem sogenannten Cantillon-Effekt erklärt. Er besagt: das von den Zentralbanken geschaffene Geld kommt zuerst bei denen an, die es erzeugt haben.

Gegenpol zu Keynes

Wer Wirtschaft studiert hat, ist mit der Lehre von John Manyard Kenyes vertraut. Vertreter des Keynesianismus sind überzeugt, der Staat sollte ins Wirtschaftsgeschehen antizyklisch eingreifen: in Krisenzeiten durch Zinssenkungen und Investitionen die Wirtschaft ankurbeln, in Boomzeiten durch Zinserhöhungen gegensteuern.

Hier vertritt die Österreichische Schule eine Gegenmeinung: der Staat solle sich soweit wie möglich aus dem Wirtschaftsgeschehen heraushalten. Oft würden staatliche Eingriffe alles nur noch schlimmer machen, indem sie für Verzerrungen oder Umverteilungen sorgen.

Fußgängerzone Wien

Die Österreicher und der Bitcoin

Innerhalbt der Bitcoin-Community gibt es einige Anhänger der Österreichischen Schule. Das Konzept hinter der Kryptowährung hat in der Tat einiges mit der Österreichischen Schule gemein:

Hayek plädierte gegen das staatliche Geldmonopol und im Sinne der generell liberalen und wettbewerbsorientierten Haltung der Österreicher für einen freien Währungswettbewerb.

Auf misesde.org heißt es zusammengefasst: »Hayeks Kernthese lautet: Der permanente Missbrauch des staatlichen Geldmonopols zum Zwecke privater Bereicherung, zum Stopfen von Haushaltslöchern oder zur Finanzierung von Kriegen zeige, dass Machtbündelung beim Staat (oder einer anderen zentralisierten Instanz) nicht funktioniert. Dem Staat müsse daher die Macht über das Geld entzogen werden. Stattdessen bedürfe es einer Geldordnung, die auf konsequente Machtteilung setzt.«

Ferner sagte Hayek:

»Geld ist die einzige Sache, die durch Wettbewerb nicht ›billig‹ würde, weil seine Attraktivität gerade darauf beruht, dass es ›teuer‹ bleibt.«

Bitcoin und andere Kryptowährungen sind Beispiele für alternative Währungssysteme, die nicht staatlich gesteuert werden. Somit im Sinne von Hayek und den Österreichern. Die Bitcoiner zitieren Hayek daher gern.

Mehr zur Österreichischen Schule von Rahim Taghizadegan

Wer mehr zur Österreichischen Schule hören oder lesen will, dem sei das Gespräch zwischen Rahim Taghizadegan und Daniel Stelter in Stelters Ökonomie-Podcast empfohlen: In der Folge »Alle werden du Spekulanten« sprechen die beiden miteinander, unter anderem über die Österreichische Schule.

Das Buch »Wirtschaft wirklich verstehen – Einführung in die Österreichische Schule der Ökonomie« von Taghizadegan ist ebenfalls empfehlenswert. Die Theorie wird gut erklärt und es zeigt die »Österreichische« Perspektive auf die Wirtschaft.

»Wirtschaft wirklich verstehen« von Rahim Taghizadegan
»Wirtschaft wirklich verstehen« von Rahim Taghizadegan

Zusammenfassung

Ich bemängle, dass ich den größten Teil meines Studiums damit verbracht habe, Modelle mit Zahlen zu füllen, die wenig mit der Realität zu tun hatten. Die meisten Professoren haben nur ihre Modelle erklärt, ohne den Bezug zur Praxis zu schlagen. Erst im Zuge meiner Diplomarbeit zu Stabilitätsproblemen in der Europäischen Währungsunion am Beispiel von Griechenland wurde es für mich spannend.

Schade, dass die Österreichische Schule an vielen Universitäten kein Thema ist. Bereits bevor mir die Österreichische Schule ein Begriff war, lag ich mit ihr bei vielen Themen auf einer Linie. Umso besser, dass ich auf diese Denkrichtung der Volkswirtschaftslehre aufmerksam geworden bin und sie benennen kann. Ich werde mich weiter mit den Österreichern befassen.

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