Die Anti-Versicherungsberatung

Die Anti-Versicherungsberatung

Seit ich selbst in der Versicherungsbranche gearbeitet habe, stehe ich ihr skeptisch gegenüber. Gemeinhin würde man mich als unterversichert bezeichnen. In meinem Bekanntenkreis bin ich zu einer Art Anti-Versicherungsberatung geworden. Gerne diskutiere ich mit Menschen, warum sie eine bestimmte Versicherung abgeschlossen haben und ob diese sinnvoll ist. Oft ist das nicht so.

Versicherer wollen Geld verdienen. Sie wollen Prämien. Schäden bezahlen wollen sie nicht. Dafür lassen sie sich einiges einfallen. Das ist Teil des Geschäftsmodells. Zum Beispiel sind viele Verträge so verkompliziert, dass sie undurchsichtig werden (ein genereller Vorwurf meinerseits an die Finanzbranche). Allein das Versprechen auf Sicherheit wird verkauft. Und das lässt sich in einer zunehmend sicherheitsorientierten Gesellschaft gut verkaufen.

Ich selbst habe nur die nötigsten bzw. verpflichtenden Versicherungen abgeschlossen. Für alles andere bin ich lieber meine eigene Versicherung, anstatt Versicherungsunternehmen mit zweifelhaften Geschäftsmodellen und ihre Administration mitzufinanzieren.

Die Anti-Versicherungsberatung
So viele Versicherungen … das Geschäft mit der Sicherheit boomt in einer zunehmend sicherheitsorientierten Gesellschaft

Werde ich den Tag noch erleben, an dem man sich dagegen versichern kann, dass man irgendwann an irgendetwas stirbt? Es scheint in diese Richtung zu gehen. In der aktuellen Situation scheint es ein Anliegen der Politik zu sein.

Das Geschäft mit der Sicherheit

»Wir sind für Sie da.«

»Mit uns schützen Sie sich und Ihre Familie.«

»Du bist nicht allein.«

Es reicht nicht, dass das im Werbematerial steht. Hochglanzdruck auf 200 g/m² starkem Papier im DIN A4 Format.

Es reicht nicht, dass der »Berater« das versichert.

Versicherungsverträge sind ein hervorragendes Beispiel für verkomplexisierte Finanzprodukte. 

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Nur weil man eine Versicherung mit entsprechendem Namen abschließt, heißt das noch lange nicht, das man im Schadensfall versichert ist.

Ob man versichert ist, regelt der Vertrag, 67 Seiten in Schriftgröße 10. 

Besser als das Gefühl von Sicherheit einzukaufen, ist, sich das Relevante anzusehen: In welchem Fall zahlt die Versicherung nicht? Wann und wie viel zahlt sie? Wie hoch ist der Selbstbehalt? Wann steigt die Prämie?

Es mögen in gewissen Fällen gewisse Gründe für eine Versicherung sprechen.

Nur sollte man sich nicht von Sicherheitsversprechungen einlullen lassen, wenn vertraglich geregelt ist, dass die Versicherung nicht zahlt. Oder wenn es zu keinem plausiblen Schadensszenario kommen kann. Im Folgenden einige Beispiele, die ich in meinem Bekanntenkreis diskutiert habe:

Berufsunfähigkeitsversicherung

Ein Gespräch mit meinem Bruder lautete wie folgt:

»Ich habe schon wieder einen Brief mit Werbung für eine Berufsunfähigkeitsversicherung bekommen. In den ersten Berufsjahren ist das viel günstiger als später«, sagte mein Bruder.

»Natürlich stürzen die sich auf Maschinenbauer von der TU München, die in der Regel sehr gut verdienen. Fällt dir ein Szenario ein, in dem du berufsunfähig wirst?«, frage ich meinen Bruder. 

Wir überlegen, was passieren könnte, kamen zu keinem plausiblen Szenario. 

»Wenn du als Ingenieur mit Bürojob berufsunfähig bist, dann bist du ein Pflegefall. Und dann greift eine andere Versicherung. Dann helfen dir monatlich 100 Euro der Berufsunfähigkeitsversicherung auch nicht mehr, da hast du ganz andere Probleme. Wenn dir etwas passiert, dann zählt, dass es jemand gibt, der dir hilft und auf den du dich verlassen kannst. In der Regel die Familie.«

Mein Bruder war weder naiv noch uninformiert. Dennoch war ich bei dem Thema Versicherung nicht zu stoppen: »Bei Berufsgruppen, die ein höheres Risiko haben, berufsunfähig zu werden, wie bei Bäckern, Handwerkern, oder eben allen Berufen, die mit körperlicher Arbeit zu tun haben und gefährlicher ist, sind die Prämien so hoch, dass sich das niemand mehr leisten kann … Das ist das Dilemma. Und ein Grund, warum unsere Versicherungsindustrie nach dem aktuellen System nicht funktionieren kann.« 

Brandschutzversicherung

Ein weiteres Beispiel. 2015 habe ich mir ein altes Bauern- und Pensionshaus gekauft.

»Wenn das Haus jetzt abbrennt, dann bekommt der Nachbar seine Parkplätze.« lautete mein Motto.

Mein Nachbar hatte Interesse, das Haus zu kaufen, bevor es mir gehörte. Für einen etwas geringeren Preis. Er hätte das Haus abgerissen und das Grundstück zur Parkfläche gemacht.

Nachdem ich immer mehr in das Haus investiert hatte, entschied ich mich, es versichern zu lassen. 

Für Gebäude, deren Brand nicht die Existenz des Besitzers gefährdet, würde ich es mir zweimal überlegen, ob eine Brandschutzversicherung notwendig ist.

»Ein Leitungswasserschaden kann nicht nur tausende, sondern zehntausende Euro kosten«, sagte mein Vater während der Renovierung. Ein beängstigender Satz. Mittlerweile mein Standardbeispiel für einen unvorhergesehenen und massiven Schaden am Haus. Dennoch habe ich mich gegen eine Police entschieden, die Leitungswasserschäden abdeckt: 700 Euro im Jahr und mit 2000 Euro Selbstbehalt. Das kostet die Günstigste.

Ich bin lieber meine eigene Versicherung. Sollte es einen Schaden geben, zahle ich ihn. Wenn der in zehn Jahren kommt, sollte ich das Geld, das ich einer Versicherung gezahlt hätte, selbst angespart haben. 

Somit bezahle ich nicht den Verwaltungsapparat einer Versicherung. Oder die Boni der Aktionäre. Die Provision der »Berater«. Ich trage nicht das Risiko, dass der Versicherer pleite geht. 

Sollte der Leitungswasserschaden morgen kommen, ärgere ich mich zugegebenermaßen ein bisschen. 

Haftpflichtversicherung

Neben der Krankenversicherung ist die Haftpflichtversicherung in Deutschland Pflicht. Das gilt auch für Haustiere. Und Autos.

Die Haftpflichtversicherung greift immer bei Schäden an dritten Personen. Also wenn man einen Mitmenschen verletzt oder sein Eigentum beschädigt.

Das Klassiker, der in der Versicherungsbranche immer gern erzählt wird, ist makaber: Egal ob am Atemgerät oder im Rollstuhl, der Langzeitpflegefall ist aus Sicht eines Versicherers das Schlimmste, was passieren kann. Der Tote ist günstiger.

Haftpflichtschäden können so hoch werden, dass der Normalbürger nicht selbst dafür aufkommen kann. 

Ich bin haftpflichtversichert. Und das ist okay.

Hausratsversicherung

»Warum habt ihr eine Hausratsversicherung für 250 Euro im Jahr? Für eine Hütte, in der ausrangiertes Geschirr steht und massive Holzbänke, die zu schwer zum wegtragen sind.«

Nach der ersten Hauptversammlung des Hüttenvereins am Ort wurde die Hausratsversicherung für mehrere hundert Euro pro Jahr gekündigt.

 »Wir haben da so viel reingesteckt.« oder  »Das liegt mir so am Herzen.«  Das hörte ich ab und zu. Meine Antwort: »Die Versicherung interessiert sich nicht für den subjektiven Wert, die eine Sache für jemanden hat.« Das sollte man sich immer klar machen, bevor man eine Versicherung abschließt.

Auch diesen Fakt: Der Wert einer Sache nimmt mit der Zeit ab. Stichwort Abschreibung. Und sofern man, wie ich, nichts Wertvolles besitzt, lohnt auch keine Hausratsversicherung.

Rentenversicherung und Lebensversicherung

»Glaubst du wirklich, dass du in dreißig Jahren das Geld aus deiner Rentenversicherung bekommst und dass es noch was wert ist?«

Nein. 

Ich glaube nicht, dass der Staat Geld haben wird, mir in 35-40 Jahren ausreichende Rente zu bezahlen.

Ich glaube nicht, dass es den privaten Rentenversicherer dann noch geben wird.

Und ich würde definitiv keine Lebensversicherung abschließen.

Selbst wenn es nicht so drastisch kommt, wie ich annehme: Die Notenbanken drucken Geld wie die Verrückten. Es gibt genug Kapital am Markt. Niemand braucht das von mir angelegte Geld. Keine Zinsen, aber eine normale Inflation von 2%. Wertverlust. Kein Lebensversicherer kann in diesem Umfeld risikoarm und gewinnbringend Geld anlegen. Das wäre Zauberei. 

Die Alternative

Wie kann man sich selbst absichern? Lieber selbst etwas auf die Seite legen. In Sachwerten. Die verlieren auch bei einer höheren Inflationsrate nicht an wert.

Soll ich eine Anti-Versicherungsberatung gründen?

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