Alternativszenario zur Inflation: die Zombifizierung

Professor Hans-Werner Sinn zur Zombifizierung

Im Dezember 2020 hat Prof. Sinn von der LMU in München seine Weihnachtsvorlesung gehalten. Bei Herrn Sinn habe ich als Studentin selbst eine Vorlesung besucht und schätze ihn seither für seine sachliche und klare Art vorzutragen. Und dafür, dass er Stellung bezieht. Er ist einer der wenigen Professoren, die das tun. Der Wirtschaftsprofessor warnt und erklärt ganz unaufgeregt und unpolemisch. Neben der Inflationsgefahr benennt Herr Sinn noch eine andere Gefahr und ein anderes Zukunftsszenario: Zombie-Unternehmen. Professor Sinn spricht von einer möglichen Zombifizierung der Wirtschaft.

Seine Vorlesung kann man bei YouTube ansehen (gerade für Leute, die »Crashpropheten« nichts abgewinnen können, könnte dieser klare und sachliche Vortrag eines Universitätsprofessors gefallen):

Prof. Sinn benennt zwei Gefahren der expansiven Geldpolitik, sprich des momentanen enormen Gelddruckens.

1. Inflation

Vor einer unkontrollierten Inflation warne ich regelmäßig. Herr Sinn vergleicht die expansive Zentralbankpolitik mit einem Kutscher, der die Zügel ganz locker lässt (die lockeren Zügel stehen für das fleißige Gelddrucken). Die Pferde springen nicht an (lahmende Wirtschaft). Zieht die Wirtschaft in Zukunft jedoch wieder an, beginnen die Pferde im benutzten Bild zu galoppieren. Das passiert plötzlich, und der Kutscher findet die Zügel nicht. Bevor es dem Kutscher gelingt, die Zügel anzuziehen (restriktive Geldpolitik, das gedruckte Geld wieder vom Markt abziehen), ist der Kutsche an die Wand gefahren oder den Berg hinunterkatapultiert (Inflation).

2. Zombie-Unternehmen oder Zombifizierung

Zudem nennt Herr Sinn als zweite Gefahr die Zombifizierung der Wirtschaft. Ein Zombie ist laut Definition ein »willenloser Untoter«. In dem Fall ist der Staat derjenige, der eigentlich tote Unternehmen am Leben hält. Sogenannte Zombie-Unternehmen werden nur durch günstige Kredite oder staatliche Hilfen am Leben gehalten, durch frisch gedrucktes Zentralbankgeld, das der Staat an die Unternehmen weiterreicht und nicht, weil die Unternehmen profitabel wirtschaften. Passiert dies im großen Stil, gibt es keine Innovationen mehr, kein Unternehmergeist, kein Umfeld, das ein Land oder gar die Menschheit voranbringt. Eine Lahmlegung, die Zombifizierung unserer Wirtschaft.

Kurzum: Beide von Herrn Sinn skizzierte Szenarien klingen nicht verlockend. Der Vortrag ist eine erstaunlich klare Kritik an der Zentralbankpolitik.

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