»Sondervermögen« ist das Unwort des Jahres 2025. Der Begriff verschleiere, dass es sich um Schulden handelt – eine Wahl, die die Volkswirtin nur begrüßen kann.

Die Jury der sprachkritischen Aktion »Unwort des Jahres« hat entschieden: »Sondervermögen« ist das Unwort des Jahres 2025. Die Begründung ist ebenso schlicht wie überfällig: Der Begriff verschleiert, dass es sich um staatliche Schulden handelt.
In der Alltagssprache bezeichnet Vermögen etwas, das vorhanden ist. Geld, Immobilien, Rücklagen. »Sondervermögen« dagegen steht in der politischen Praxis fast immer für kreditfinanzierte Ausgaben außerhalb des regulären Haushalts. Der Staat leiht sich Geld, nennt es aber nicht Schulden, sondern Vermögen.
Ein Auszug aus der Pressemitteilung der Universität Marburg zur Begründung der Jury:
Der Gebrauch dieses verwaltungstechnischen Ausdrucks hat sich im öffentlichen Diskurs verselbständigt. Er richtet sich in Debatten über politische Maßnahmen an alle Bürger:innen. Viele von ihnen sind jedoch nicht mit der administrativen Spezialbedeutung vertraut und orientieren sich an der Alltagsbedeutung. Durch diese Diskrepanz tritt die irreführende euphemistische Bedeutung des Wortes deutlich in den Vordergrund.
Die Jury kritisiert den Gebrauch des (Un-)Wortes, weil dadurch Tatsachen verschleiert werden und wegen der manipulativen Wirkung auf die Bevölkerung.
Wer Schulden als Vermögen betitelt, muss weniger erklären als jemand, der neue Kredite aufnimmt. Sprachlich elegant – aber nicht der Realität entsprechend. Die politische Debatte um die Neuverschuldung wird verkürzt und verschleiert, nicht vertieft.
Die Volkswirtin hat bereits 2023 darauf hingewiesen, dass der Begriff »Sondervermögen« irreführend und euphemistisch ist. Siehe Artikel: »Sondervermögen« müsste eigentlich »Sonderschulden« heißen.
Mit der aktuellen Regierung unter Kanzler Merz wurde eine neue Dimension der Verschuldung erreicht. Recherchiert man nach einer konkreten Zahl zur Neuverschuldung, erhält man viele unterschiedliche Beträge, jedoch stets hohe Sumen. Fakt ist: Mit den Milliarden des »Sondervermögens« wird nur so um sich geschmissen- Die Volkswirtin nimmt dies zum Anlass, diesen Zahlen demnächst genauer auf den Grund zu gehen und die Steuereinnahmen im Verhältnis zur gesamten Verschuldung zu analysieren. Bald wird ein Artikel hierzu folgen.
Die Aktion »Unwort des Jahres« kritisiert seit 2001 Begriffe, die gesellschaftliche Realitäten verzerren. »Sondervermögen« erfüllt dieses Kriterium perfekt: Es beschönigt staatliche Verschuldung, verschiebt Verantwortung und senkt die Hemmschwelle für neue Ausgaben.
Oder anders gesagt:
Schulden bleiben Schulden. Auch wenn man sie Sondervermögen nennt.
Die Verschuldung steigt und steigt, deutschlandweit, im Rahmen der EU und weltweit. Die Volkswirtin warnt seit Jahren vor einer möglichen unkontrollierten Inflation.


